Dort wo der aktuelle Blätterwald rauscht, ist leider auch so manche „Schnappatmung“ nicht weit. Dieser disharmonische Vorgang nennt sich in meinem Küchenlatein „Trachea furibundis“. (Ovid, Homer und Vergil mögen mir verzeihen und Kirchenlateiner mir vergeben.)
Aber es gibt einen berührenden, sinnstiftenden Unterschied, ob man mit Schnappatmung die oft kaum verständlichen Vorgänge auf der schorfigen, durch unkontrollierte „Kugelblitze“ oft nur fahl beleuchteten Erdkugel bewerten will, oder ob man in so wichtigen Ausstiegen aus dem Lebensalltag unvorbereitet im „Tiefen Tann“ ein samtbraunes kugeliges Etwas vor seinen Füssen liegen sieht.
„Boletus edulis“,der Herren-oder Steinpilz lässt kurz die Hektik der Plastikwelt hinter sich. Herrenpilz hieß „Boletus edulis“ zu Zeiten des Absolutismus. ( Nachgeburten dieser Staats-und Sozialformen feiern derzeit wieder unfröhliche Urständ.) Raubritter und tafelfreudige Prälaten forderten die von den “ Hörigen“ gesammelten Edelpilze für sich. Die geheimnisvolle Dämmerung im Tann und die unverwechselbaren trüffeligen Gerüche an Steinpilzplätzen und Hexenringen haben mich schon oft an Kindertage zurückerinnert. ( Als in vielen Lebensbereichen ungebundener Bauernbub, war ich damals so eine Art zweibeiniges Trüffelschweinchen .) Zusammen mit der sprücheschwangeren Leuchtle-Oma ( Guat isch’s ganga, sex hand sieba g’fanga) hüpfte ich wie durch ein Märchenland. Und Sie erzählte mir, dass unter den weissroten Regenschirmchen von „Amanita muscularia“ winzige Heinzelmännlein mit langen Pfeifchen sitzen würden. 80 Jahre später sehe ich beim Anblick eines Fliegenpilzes immer noch im vergoldenden Widerschein der klick-und-wischfreien Erinnerung dies Traumbild.
Könnten es heutige Omas tatsächlich stemmen, Enkelkinder erziehungsfibelfrei in einen echten Wald zu locken, dann könnten sie dem Nachwuchs erklären, dass unter „Amanita muscularia“ Mini-Trolle SMS-Botschaften senden. Vielleicht könnte man die Kids abseits des ungewohnten Waldesgrundrauschens mit dem Fund eines „Calvatio maximo“ beeindrucken. Es handelt sich um den, auf Wiesen wachsenden kindskopfgroßen Edelbovisten. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass das Kind, bekleidet mit einem Musiala-beflockten Kickertrikot, seinem Box-to-Box Stürmerwunsch dadurch Nachdruck verleiht, dass es „Calvatio maxima“ mit einem Freistoß zerlegt. Später wird der, retrospektiven Anwandlungen verdächtige Prachtenkel stolz sagen, dass er damals, ein „Coprinus comatus biondo“ war, also ein blonder Schopftintling, während die pilzkundige Oma inzwischen zur Gattung der „Coprinus atramentarius“,also zu den Faltentintlingen gehöre.
PS: Liebe Zuklicker. Viel Spaß beim Erspüren des Waldesraunens mit, oder ohne Therapiekurs.