(Auch ein Buchmacher /Foto privat)
In Zeiten raffiniert in Augen und Ohren geträufelten „Fake news“ im denkschonenden „Fertiggerichtstil“ ist das Lesen fordernder Bücher weiterhin Goldstandard beim Kampf um eigene Meinungshoheit. Ja, ich weiß, dieser Satz ist sehr selbstbeweihräuchernd und unser aller Oberschiedsrichter Goethe hat mich gleich wieder eingehegt. Er federkieltunkte vor gut 200 Jahren: „Gewisse Bücher scheinen geschrieben zu sein, nicht, dass man daraus lerne, sondern damit man wisse, dass der Verfasser etwas gewusst hat“. Ich kann dem Meister der Dichterfaust nur verschämt entgegnen: „Nun steh ich da, ich armer Tor und bin so klug, als wie zuvor“!
Von dem Morgenlicht zu ersten Höhenwegen. Vor etwa 4000 Jahren saß ein frühes Genie, vielleicht ein Sumerer, am Ufer des Euphrat und sinnierte über den eingängigsten Weg, Götterwissen, Sternenhimmel, Lebenssinn und Überlebenskunst unter einen Schilfflechthut zu bringen. Wie kann ich Ordnung unter, auf und über dem sichtbaren Firmament festlegen? Er schlug vor, die Strahler am Götterhimmel (Der Sumerer war Fan der Ischtar, des Urbildes vieler späterer Himmelsgöttinnen) mit kultischen Namen zu benennen. (Horoskope sind ein später Abglanz sich in langen Zeiträumen wandelnder Sternbilder). Und der Urphilosoph wusste, dass gebrannter Ton sehr stabil wurde. Wie auch die ersten Büchereien Mesopotamiens, bestehend aus praktischen Keilschriftzeichen in gebrannten Tontäfelchen. Bis in unsere Zeit (Die Epoche der Vorbereitungen zur Marsbesiedlung) überdauerten Texte über den Urmythos von Gilgamesch und Enkidu mit dem Kampf um Liebe, Schicksal und Ewigkeitshoffnungen. (Alle späteren sinnsuchenden Schriften aus Ost (Rigveda) und West (Bibel, Koran, Talmud) haben Bezüge zum Gilgamesch Epos). Erst in unseren Tagen konnten entscheidende Teile der erhaltenen Keilschriften seriös übersetzt werden.
Ich habe das aktuelle Buch:“ Das Epos von Gilgamesch von Esther Kinsky aus der Inselbücherei mit viel Emotion gelesen. (Eines meiner Interessengebiete ist ja die Astronomie der Alten Kulturen bis hin zu Mesopotamien (Ja, ja, The Rivers of Babylon) zu Lascaux und Altamira).
Als Vater fand ich es berührend, dass meine weit entfernt lebende Tochter ohne diesbezügliche Absprache zur gleichen Zeit das Buch von Elif Shafak – Am Himmel die Flüsse gelesen hatte. Ein Roman, der die alte Erzählung des Gilgamesch Epos über drei Zeitebenen spannt. Welch geheimnisvollen Schwingungen können wohl eine DNA auf die Reise bringen?
Vor dem Gilgamesch Epos habe ich als Bücherfreund diese Druckwerke verinnerlicht: Physik und Transzendenz von Hans-Peter Duerr, Mit Gott und den Faschisten von Karlheinz Deschner (Wichtig zu Zeiten anscheinender geschichtlicher Vogelschisse) und Die Geschichte von Adam und Eva von Stephen Greenblatt.
Passgenau zu dem derzeitigen, auch geistesgeschichtlich erfassten weltweiten „Gärkessel“ möchte Ich mit einem Goethewort enden: „Man sollte das Erforschbare erforschen und das Unerforschliche still verehren“!
Ja, Goethe meinte Stille und nicht das Kampfgeschrei: „Ich allein bin im Besitz der Wahrheit“.
Liebe Mitklicker,helft beim Nachdenken.
