Gegen den (Land)-Strich gebürstet

Ja, liebe Reinklicker! Ich stamme aus Bayrisch-Schwaben oder, wie ich es historisch und sprachgeschichtlich klarer finde, aus dem schwäbischen Teil des Vielvölkerfreistaates. Leicht hat es das Häuflein der nur gelegentlich Aufrechten aus schwäbisch-alemannischen Landen im „Mia san Mia“ Bajuwarischen und Fränggischn nicht. Deshalb sollte man Schwäbisches, wo immer es unverwechselbar ist, bei aller, manchmal in das Verdruckste abdriftenden Bescheidenheit ein bisschen glitzern und glänzen lassen.

Zum Auftakt: Liebe geht bekanntlich auch über und durch den Magen. Prägend für die Schwaben und stammverwandten alemannischen Allgäuer sind die „SCHPÄTZLE“ (Knöpfle). Bei den ostwärtsliegenden und gerne oft kolonisierungssüchtigen Altbayern (Bajuwaren) sind es die Knödel. Also die einen melodisch zurückhaltend und die anderen breitbeinig wuchtig.

Nun aber? Der Schwabe sagt zu seiner Angebeteten (Auch: An mi na Schlupferla genannt):“ Du bist halt mein Schpätzle-Schätzle“. Welchen Erfolg hätte ein Bajuware westlich des Lechs mit der Feststellung:“ Du bist halt mein Knöderl“! Guten Appetit beiderseits!

Ein anderes Thema: Der Bayrische „Kini“ nennt sich offiziell Ministerpräsident. Seit 1945 gab es bisher elf davon; nahezu alle von der Bayrischen Staatsbesitzerpartei. Hier die Namen: Fritz Schäffer, Wilhelm Högner, Hans Ehard, Hanns Seidel, Alfons Goppel, Franz Josef Strauß, Max Streibl, Edmund Stoiber, Günther Beckstein, Horst Seehofer und Markus Söder. Eine landschaftlich gemischte Galerie. Wie viele der Genannten stammten by the way, eigentlich aus dem schwäbischen Teil Bayerns? 0=0=0. Genau Null! Zwar gab es einst ein schwäbisches „Amtswahlversüchle“, aber selbst das, in der Finanzwelt so bekannte, wildwuchsartige Augenbrauenpaar des Kandidaten verlor klar und erwartet.

Volksmurmelnd heißt es gelegentlich: „Eher schwimmen Kaimane und Piranhas im Lech, als dass ein Landeschef aus dem Schwäbischen kommt“. Mein Gott, wär das mal ein Schwabenstreich. Die letzten großen Schwabenstreiche führte im 13. Jahrhundert der große Stauferkaiser Friedrich der Zweite. Er trug, auch als Grenzöffner der Neuzeit, den Ehrennamen „Stupor mundi“, das bedeutet „Staunen der Welt“. Apropos Staunen! Selbiges gilt wohl auch für den Bayernchef Markus Söder, den XI. Wenn „Kini Markus, bei Einweihakten so verzückt, sein grünes Gamsbartland beglückt, dann majestätelt seine Miene. Umarmt den Baum, kost jede Biene. Doch diese „Grünen“, „ewig Schlauen“, die sein „Gewissenswürmchen“ hauen; die hat der „Kini“ jäh verbannt. Sie färben ab im „Weiss-Blau Land.“

Liebe Mitklicker: Ich grüße Alle, die sich an Spätzle (mit Käse oder Pilzrahmsössle) laben.

3 Gedanken zu “Gegen den (Land)-Strich gebürstet

  1. Lieber herr Schmid,
    ich freue mich immer wieder von Ihnen zu hören, ob auf Papier oder digital. Deshalb beobachte ich Ihre Seiten, die nicht nur inhaltlich, sondern auch gestalterisch Freude bereiten, seit Ihrem Digitalstart. Ihre Sprache wird subtiler, Ihre Worte gewaltiger – älter werden die Anderen,
    Besonders freuen würde ich mich über einen neuen Schmidschen lyrischen Gedankenblitz.
    Viele Grüße vom Butzagägaler

      1. Lieber Herr Schmid,
        ich gehe gern mit Ihnen, denn als bayerische Schwaben sind wir eine Minderheit im eigenen Land, die sich nur in Gemeinsamkeit behaupten kann. Aber auch, weil ich neben allem feinzüngigen Inhalt Ihrer Seiten, die Klarheit der Gestaltung wohltuend empfinde. Diese macht mir bei der Heimkehr die Wühltischatmosphäre meiner eigenen digitalen Welt so bewusst, dass ich mich aufraffen kann daran zu arbeiten.

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